Tag 271: Mount Manaslu Circuit - dritter Tag
- einjahrblau
- 20. Mai 2023
- 3 Min. Lesezeit
von Deng (1.880m) nach Namrung (2630m)
ca. 17,5km Wegstrecke
ca. 2.350 Höhenmeter aufgestiegen
ca. 1.580 Höhenmeter abgestiegen
Zeit: ~7-8h (inkl.Pausen & Fotos machen)
6:30 Uhr wollten wir noch überhaupt nicht aufstehen, aber der Tag rief. Eric achtete wie jeden Tag akribisch darauf, dass wir zum Frühstück (+ Mittag & Abendbrot) unsere Mangnesium-Tabletten nahmen. Heute gab es Apfel-Zimt-Haferbrei und ein Kartoffel-Omelette. Dann packten wir alles zusammen, gingen zur Sicherheit für kleine Wanderer, da der Bauchgurt des Rucksacks immer so drückte und abschnürte, füllten die Trinkblasen und stiefelten los. Weil Urken die Besitzer kannte, mussten wir meine lauwarme Dusche doch nicht zahlen. Wir erinnerten uns immer daran, die Tabletten ins Wasser zu tun und stellten einen Wecker 30min später, damit wir nicht Gefahr liefen, das „pure“ Wasser zu trinken.
Hatten wir gestern gedacht der Tag war anstrengend mit dem Auf und Ab gewesen, wurden wir heute eines besseren belehrt. Schon die erste Treppe hätte fast Verzweiflungstränen aus mir herausgetrieben, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wie ich das durchhalten sollte. Eric nahm mir meine Jacke ab und zwischendurch sahen wir eine Art Reh am Hang, das sorgte für Abwechslung. Ich kämpfte mich nach oben, sprach keinen Ton mehr und Eric sprach mir gut zu. Ich kann hier gar nicht wirklich davon sprechen, dass wir Ehrfurcht in der Weite der Landschaft empfanden, denn wir waren aufs Atmen konzentriert und mussten aufpassen wo wir hintraten. Wir überquerten staubig-rutschige, gefährliche Lawinengebiete und setzten konzentriert einen Fuß vor den anderen. Ich kam hier definitiv an meine Grenzen. Selbst Eric gab zu, dass er nicht gedacht hätte, dass es so brutal anstrengend wird.
So verging eine kleine Ewigkeit bis wir endlich fürs Mittagessen anhielten.
Eine Portion reichte uns heute nicht; wir bestellten beide Reis mit Gemüse. Ich zog meine Schuhe aus und wir legten uns alle drei in die Sonne - das tat so gut! Aber Sonnencreme musste hier oben ständig neu aufgetragen werden.
Leider war jede schöne Pause vorbei und wir mussten gefühlt immer als erste starten obwohl wir mit als letzte ankamen :D
Wir sahen des Öfteren aufgeschichtete Steintafeln, die mit Schriftzeichen (Mantras) und Bildern versehen waren. Man nannte sie Mani, erklärte uns Urken und um Unglück zu vermeiden liefen wir immer links an ihnen vorbei. Den vielen vorbeiziehenden Eseln, die die schwere Ausrüstung der Expeditionen schleppten, flüsterte ich stets nette, aufmunternde Worte zu. Das sind richtig arme Schweine, diese Lastenesel.
Ich fühlte mich ebenfalls wie ein armes Schwein, da es weiter bergauf ging, doch dann war da auf einmal eine organische Apfelfarm wo wir einen frisch gepressten Apfelsaft tranken und von den Backwaren, die hier auf über 2.500m produziert wurden, wählten wir einen Schokohefezopf. Man soll ja die lokalen Betriebe unterstützen wo es nur geht (und was unser Bargeld zuließ, denn preiswert war es hier oben natürlich nicht).
Wir kamen tatsächlich mal nicht als letzte am Tagesziel Namrung an! Das war doch mal was ;) Wir schliefen diesmal auch alle getrennt. Urken hatte eine ruhig gelegene Unterkunft rausgesucht und wir hatten eine kleine, neu gebaute Holzhütte. In der roch es bald wie üblich nach Pferdemist, weil wir da gefühlt den ganzen Tag durchstapften :D
Und das Beste! Es gab eine „westliche Toilette“! Ich duschte eiskalt, Eric hatte in der anderen heißen Dusche das Glück etwas Restwärme von seinem Vorgänger abzubekommen. Wir wollten nicht für eine lauwarme Dusche zahlen. Denn zum Abendessen bestellten wir, hungrig wie wir nach dem Tag waren, mit Kartoffel gefüllte Dumplings, die man hier Mo:Mo nannte und Spaghetti mit Tomatensauce. Davor gab es, wie nun jeden Abend, Zitronen-Ingwer-Honig-Tee.
Wir saßen hier fett eingemummelt in unserer Thermounterwäsche, den Daunenjacken und Mützen, denn hier oben auf fast 2.800m wurde es abends richtig frisch. Wir hatten -5 Grad Celsius in der Nacht, aber hatten sogar jeder zwei Decken bekommen :) Wir waren natürlich fix und fertig und gingen sogar schon kurz vor 21 Uhr ins Bett.
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