Tag 328: blaue Welt im Avatar-Regenwald
- einjahrblau
- 15. Juli 2023
- 5 Min. Lesezeit
Die zweite Nacht war um einiges angenehmer, denn diesmal waren wir mit Schlafmaske und Oropax gewappnet, aber alles war ruhig geblieben. Wir aßen Frühstück, nutzten noch das Wifi, packten unsere Rucksäcke und durften unser Gepäck hier lassen um es später auf dem Weg zum Flughafen wieder abzuholen.
Wir fuhren zunächst zur Marina Bay zurück und liefen dort den uns nun schon bekannten Weg zum Ticketschalter. Heute schien die Sonne erbarmungslos und uns war schnell eklig heiß.
Auf dem Weg dahin kamen wir an der Wanderausstellung "der letzte Marsch" vorbei, lauter aus Bronze gestaltete Tiere, die wohl aufs Artensterben hinweisen sollen.
Eric hatte der Indoor Cloud Forest, eine riesige Glaskuppel, keine Ruhe gelassen und wir hatten noch Bargeld übrig. Mich lockte er, weil gerade Avatar (dieser Film mit den blauen Wesen) in die Gärten integriert war. Wir zahlten einen stolzen Eintrittspreis von je 31€ und verzichteten auf alle weiteren Orte wie Blumenhaus und Co., aber es sollte sich herausstellen, dass wir auch hier, in der größten Kuppel genug Zeit brauchen würden.
Beim Betreten freuten wir uns sofort über die angenehmen Temperaturen und den großen Wasserfall, der uns begrüßte. Zunächst einmal sahen wir Avatar-Figuren in den Bäumen und Büschen, bewunderten selten gedrehte Blätter und hübsche Blüten. Dann bogen wir um eine Ecke und sahen eine Art begehbare Maschine, ähnlich den Scans am Flughafen. Dort drin wurde das eigene Gesicht selbst zum Avatar, ich quietschte vor Vergnügen und zog Eric mit mir, der erst noch die Orchideen begutachten wollte. Ha, war das cool. Man wartete ein paar Sekunden, das war echt cool gemacht und dann sah man sich mit Avatargesicht. Eine Etage tiefer standen wir ein paar Minuten an, denn hier konnte man die Drachen aus dem Film fliegen, indem man die Arme schwang und sich vor und zurück lehnte, so viel Spaß muss sein. Für Kinder gab es ein täuschend echtes „frisch geschlüpftes“ Drachenbaby. Und natürlich genossen wir auch die Gewächshalle an sich, den Cloud-Forest und den Steg, den man von oben nach unten hindurchlaufen konnte. Zwischendurch konnte man die „Baumader“ mit blau, grün und pinkfarben pulsieren lassen. Eine tolle Kombination aus Natur und Technik.
Doch das Highlight sollte kurz vorm Ausgang noch kommen! Wir bogen um die Ecke und durchliefen erst einen Schwarzlicht-Kanal um dann urplötzlich vor einer leuchtenden Wand zu stehen. Wenn man über den Boden lief, bewegten sich die Lichtpunkte mit, als würde man Wasser treten. Wir beobachteten Kinder, wie sie begeistert den Lichtpunkten nachjagten und erfreuten uns an ihrem Spiel. Doch irgendwann hielt es auch uns nicht mehr auf den Bänken und wir machten mit. Das war (m)eine kleine perfekte Welt, leuchtend, blau, mit Lichtpünktchen. Eric bekam mich hier nicht so schell wieder weg, aber irgendwann mussten wir weiterziehen. Das hatte sich tatsächlich mehr gelohnt, als gedacht :)
Auch wenn wir prinzipiell weder nach Indien noch nach Sri Lanka reisen wollen, hatte ich mir in den Kopf gesetzt auch noch den Stadtteil Little India zu besuchen um es sozusagen zu komplettieren. Der erste Eindruck war nicht so berauschend, da konnten auch das bunte Haus und die Graffiti nicht ablenken. Aber dann fanden wir wieder eine Art kleines Hawker Center und teilten uns Naanbrot mit Butter Chicken Masala und schon sah die Welt viel besser aus.
Von hier aus fuhren wir in den Fort Canning Park. Dort liefen wir umher und setzten uns wieder in so eine metallene Doppelschaukel. Ich schloss die Augen, Eric lehnte sich zurück und so schaukelten wir im leichten Wind unter den Baumkronen umher. Wir besuchen gern die Parkanlagen in den Großstädten um so wie hier mal die Seele baumeln zu lassen. Im Park gab es auch den Tree Tunnel. Der schien bei Instagram beliebt & bekannt zu sein, denn als wir den gefliesten Tunnel hinabliefen, stand hier schon eine Schlange. Alle warteten darauf an der Reihe zu sein für das immer gleiche Foto, von unten mit Blick nach oben in die Bäume. Wir hatten hiervon das erste Mal von Ben & Charlotte gehört und liefen ebenso wie die beiden einfach weiter. Es sah sicher mit dem richtigen Talent und etwas Fotogenität hübsch, aber unserer Meinung nicht spektakulär aus.
Eigentlich wollte ich gern noch andere Ecken außerhalb Singapurs Zentrum sehen und z.B. zur Sentosa Halbinsel fahren. Aber erstaunlicherweise war unsere Zeit hier so schnell vergangen, dass wir es nun einfach nicht mehr schafften. Wir wollten noch in Ruhe duschen, Abendessen und zum Flughafen fahren und jetzt nicht mehr hin und her hetzen. Die Rücken taten vom vielen Laufen weh, das waren wir zugegeben seit Wochen gar nicht mehr gewöhnt, also traten wir den Rückzug an. Nachdem wir ausgecheckt hatten, teilten wir nochmal verschiedene Gerichte am Hawker Center vor der Tür, wo wir vor zweieinhalb Tagen unsere erste Mahlzeit eingenommen hatten. Heute gab es eine Fischbällchen-Suppe (sehr lecker), Ente mit Nudeln und Dumplings, die allerdings seltsam rauchig schmeckten. Dann fuhren wir zum Flughafen. Von anderen hatten wir nun schon mehrmals erfahren, wie abgefahren dieser sein soll und dass einige extra hierfür nach Singapur reisen. Wir sollten zum Jewel gehen, sozusagen die Halle zwischen den vier Terminals. Dort angekommen, nahmen wir ausnahmsweise (und ich glaube zum allerersten Mal) die kostenpflichtige Gepäckaufbewahrung für unsere riesigen Rucksäcke in Anspruch, sonst hätte das alles keinen Spaß gemacht. Jewel war so etwas wie ein mehrstöckiges Shoppingcenter mit allerlei Essensauswahl und bezahlbaren Attraktionen wie ein Schwebenetz in der obersten Etage. Die Rutsche, die durchs Terminal 3 führt, wir leider ausgerechnet jetzt noch 10 Tage wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Wir versuchten uns erstmal einen Überblick zu verschaffen, bummelten mal hier und mal da lang, sahen den weltgrößten Indoor Wasserfall, aber leider nur noch das Ende der Show. Das Bauchgefühl sagte uns aber, Warten lohnt sich und tatsächlich begannen die Projektionen zur vollen Stunde noch einmal - wieder wunderschön. Figuren von Disney, Pixar und Marvel zogen mit Filmmusik an uns vorbei, Aladdin, Nemo, Spiderman und viele mehr - es war wirklich schön und traf voll meinen Geschmack. Und wir fragten uns ernsthaft: Warum hatte der simple Berliner Flughafen so lange gedauert?
Hier war ein halber Tropenwald mit Wasserfällen eingearbeitet und Züge fuhren hindurch. Nun ja. Danach gelang es uns auf den Cent genau die letzten Singapur Dollar auszugeben für Wasser, Sprite, eine Tüte Saures und ein Kitkat. Perfektikus. Die Zeit hatten wir gut rumbekommen, denn unser Flug ging erst um 2 Uhr in der Früh, aber wir liefen schonmal zum Terminal, der Check In öffnete gerade und der eigentliche Security Check kam ungewöhnlicherweise erst direkt am Gate. Das hatten wir so auch noch nicht erlebt. Bis es so weit war, hingen wir müde auf bequemen Sesseln herum und sortierten halbherzig ein paar Fotos. Die Müdigkeit überrollte uns dann im Flieger.
Dort wurden wir aber mehrmals aus dem Schlaf gerissen. Für ekliges Abendessen gegen 3:30 Uhr (wer macht so was?!), für ebenfalls nicht besonders leckeres Frühstück zu einer genauso unpassenden Zeit und von dem Mädel neben mir, die mich an der Schulter wachrüttelte, weil sie schon wieder auf die Toilette musste. Jedes Mal standen wir dann schlaftrunken dumm im Gang herum und ich fragte sie ob sie vielleicht den Gangplatz haben möchte? Nein. gut. Dann solle sie mich nicht noch einmal wecken! Das hatte scheinbar gesessen, denn sie tat es nicht nochmal. Es war schließlich mitten in der Nacht!
Das sind ja mega Aufnahmen.