Tag 25+26: Baby-Bären & Valley of the 5 Lakes
- einjahrblau
- 13. Sept. 2022
- 7 Min. Lesezeit
Tada! Die Köpfe sind noch dran :) Guten Morgen allerseits. Warum ich so ausgesprochen gute Laune habe? Da wir endlich mal Empfang haben, konnte ich zu meiner großen Freude herausfinden, dass es auch hier eine „Beavertail“-Filiale gibt! Ihr erinnert euch? In Ottawa? Die frittierten Kalorienbomben, ja genau die! Da sind noch zwei offen, die wir unbedingt probieren wollten :) Von daher…man soll die Chance beim Schopfe packen. Läuft euch auch das Wasser im Mund zusammen? Jupp…den dritten unserer Wahl kosten wir hoffentlich in Banff ;)
Ein kleines bisschen muss ich schon motiviert werden einen weiteren Tag in Folge zu wandern :D Deshalb war das eine verlockende Aussicht. Ich schreibe später weiter :)
So, da wären wir…Wir gingen früh erstmal zur Bear Paw‘s Bakery, denn da sahen wir gestern schon eine lange Warteschlange - ein gutes Zeichen. Und tatsächlich, wir konnten uns kaum entscheiden; die haben sogar richtiges Brot! Aber wir wählten Sandwichs, Schoko-Croissant (Joah, da können die Franzosen ruhig neidisch werden) und zwei Canadian Breads mit Schinken, Käse und Ei sowie Brötchen vom Vortag. Auch in Dresden sind wir immer Brotretter :) Danach fuhren wir zum Valley of the five Lakes und rollten von hinten auf, d.h.wir gingen erst zum fünften und dann bis zum ersten und schönsten See nach vorn. Es stürmte so sehr, dass es zwei der verkohlten, morschen Bäume entwurzelte und ständig knackte der Wald. Eine neue Gefahr, na das ist doch was.
Das Parken ist hier ein Kommen und Gehen, man braucht Glück, Geduld und sollte früh aufbrechen. Wir fuhren weiter zu den Athabasca Falls. Gott, waren da viele Menschen, aber wir ja auch. Aber was mich richtig traurig macht? Ständig nehmen wir den Müll anderer Leute mit, es ist unfassbar wie manche Leute sich durch die Welt bewegen. Abartig. Die nehmen z.B. auch statt einer großen Einkaufstüte einfach so viele mini Plastikbeutel, bis sie all ihren Kram die zweiten Meter in ihre Benzinschleuder getragen haben. Deshalb werfen wir böse missbilligende Blicke um uns wie wir nur können, schnalzen die Zunge und füllen unterwegs unsere Müllbeutel. Und mein Blick kann doch recht tödlich sein ^^ Und leider muss ich auch sagen, dass wir schon am Morgen die riesige Rauchwolke sahen und erfuhren, dass hier eine gewaltige Fläche brennt und Orte evakuiert wurden. Die Rauchwolken wurden im Laufe des Tages leider immer größer und dichter. Ein Lob an die unermüdlichen Feuerwehrleute, die hier u.a. den ganzen Tag mit den Löschhubschraubern im Einsatz sind.
Nun ja, heute bin ich auch echt müde. Die Nacht war es viel wärmer, der ganze Tag drückte, frische Luft und Wandern tragen auch dazu bei. Heute wieder 12km, gestern 18,5km. Und das ja nun schon seit Wochen. Was auch schön ist, aber ich freute mich dann doch einfach mal durch Jasper zu schlendern, den Bwrownie (ja so heißt der echt) Beavertail mit Eric zu teilen und einen neuen Bubble Tea zu kosten: zweierlei Beeren aus Jasper mit Lemon Grass Bubbles. Danach wollten wir im Jasper Fitness & Aquatic Center duschen und bei der Gelegenheit auch eine Stunde schwimmen, ich gehe ja so gern und versuche im „normalen“ Alltag 1x/Woche zu gehen. Der Körper braucht auch mal andere Bewegungen. Aber just in dem Moment als wir ankamen, fiel der Strom aus; eine Folge des Waldbrandes. Da heißt es tief durchatmen. Geht mal paar Tage nicht duschen und könnt dann immer noch nicht, dann könnt ihr unsere Enttäuschung nachvollziehen…Dafür, denn alles Schlechte hat sein Gutes, sahen wir gegenüber am Jasper-Yelowhead Museum & Archives eine Bücherbar vor den Türen. Selbstständig konnte man stöbern und pro Buch 1CD in eine Box (die wir ewig suchten) einwerfen. Ich fand drei deutschsprachige Romane! Und Kleingeld hatten wir auch noch :) Yes, in Dresden plünder ich ja auch regelmäßig die Bibliothek :)
Und da neben dem Eingang des Sport-Centers einer der üblichen Picknicktische stand, kochten wir erstmal Abendessen: Jasminreis, Erbsen und Soja-Hack mit Butter-Chicken-Soße. Wir sind pünktlich zum Nieselregen fertig geworden und aßen im Auto mit Blick auf die nun geschlossene Schwimmhallentür. Es wäre eigentlich heiße-Schoki-auf-dem-blauen-Sofa-Genießen-Zeit, aber das haben wir ja für ein Jahr abgegeben…
Und hier empfängt man seit Tagen nur einen Country-Musik-Sender. Hallo Folter! :D Gott sei Dank hat Eric das Wifi in den Visitor Centern dafür genutzt Musik runterzuladen, als ich am Blog schreiben war. So gibt es ab und an auch mal Base auf die Ohren ;)
Ich schreibe mal noch wie es weiterging. Während wir aßen, sahen wir, dass in der Schwimmhalle Licht anging. Wir gingen schnell fragen (der wird sich auch gewundert haben) und durften zumindest noch duschen. Sein Gerät musste er aber noch einloggen und bat uns danach zu zahlen. Die Duschen waren schon speziell, ständig musste man rumfuchteln, damit sie angingen und sie waren mega kalt. Einer der schnellsten Duschen unseres Lebens? Eric erlebte das gleiche…Am Empfang wollte Eric grad die knapp 10CD zahlen, da sagte ich lachend, aber bibbernd, dass das wohl die kälteste Dusche unseres Lebens war. Er meinte oh das tue ihm Leid, wir müssen nix zahlen. Super :) War heute schon teuer genug mit dem Einkaufen und Schlemmen…und was soll ich sagen. Wir fuhren noch eine dritte Nacht auf den „illegalen“, öffentlichen Parkplatz neben den Bahnschienen. Dort schliefen schon andere. Es schüttete die Nacht so richtig, die Handtücher, die als Sichtschutz im Fenster hingen, sogen sich voll, aber das Prasseln aufs Autodach hatte irgendwie was :) Früh lebten wir immer noch, aber die Toiletten hatten zu. Wegen Feiertag? Nein. Auch die Ampeln und Zapfsäulen gingen nicht.
Der Stromausfall war zurück. Wir hatten noch für ca.150km Sprit, aber die nächste Tanke kommt erst in 210km oder wir müssen 90km nach Valemount zurückfahren und dann wieder herfahren. Auch doof. Also fuhren wir erstmal an den Stadtrand um nun ja, am Waldrand mal für kleine Wanderer zu gehen und genossen auf dem Hügel die Aussicht auf Jasper. Zurück am Auto frühstückten wir, hingen die Handtücher in den Wind, als eine Frau Eric anschrie, hinter ihm sei ein Bär. So viel zum „immer ruhig bleiben“. Eric tat aber erstaunlicherweise genau das, die Ruhe übertrug sich auch auf mich und so konnten wir gemütlich aus dem Auto heraus einen schönen Schwarzbär den Hang hinunterkommen sehen. Er war also nicht DIREKT hinter Eric, sondern lief hinter uns den Berg runter. Aber dann sahen wir die eigentliche Gefahr, es folgten zwei, nein drei kleine Bärchen. Baby-Bären! Ich werd ja nicht mehr! Und der Tag fing eigentlich so doof an. Vor Mama Bären wurden wir ja immer gewarnt, aber sie aus dem sicheren Auto zu beobachten…also das werden wir nie vergessen. Es dauerte echt gefühlt nur zwei Wimpernschläge, da kam schon der Ranger tiefenentspannt mit einer Paint Ball Pistole und begleitete ganz ruhig die 4er Schwarzbärenfamilie weg von den Wohnhäusern zurück in den Wald. Na, zur richtigen Zeit am richtigen Ort!Wie war das? Alles schlechte hat sein gutes. Wenn ich aber überlege, dass ich vor einigen Minuten auf diesem Weg gestanden und vor einigen Stunden in der Nähe gekocht habe…Oups.
Und einige von euch schickten uns ja Warnungen auf Grund der gestern in Kanada geschehenen Messerattacken. Wir haben beide eine kanadische Handynummer und Kanada gibt echt mit Schildern, Hotlines und Co.alles um ein sicheres Land zu sein und zu bleiben. Und deshalb bekommen wir ganz automatisch Warnmeldungen und Hinweise aufs Handy geschickt. Kennzeichen, letzte Orte, Fotos und ja, wir passen mega auf und bleiben vorerst in belebten Gegenden. Hier gibt es sowieso Tramper-Mitnehmen-verboten-Schilder. Wir sind aber in Alberta und nicht in Saskatchewan. Und wir hoffen sehr, dass die Polizei sie schnell findet, bevor sie weiter in unsere Richtung fahren. Hier lauern eben grad echt viele Gefahren: zwei Irre mit Messern, Bären, Macho-Elche, morsche Bäume, Waldbrand, Stromausfall…Wildes Leben pur.
An der Tankstelle übten wir uns dann nochmal vergeblich in Geduld und trafen einen Rentner mit dem wir nett plauderten. Er rief eine Hotline an, die meinte vor morgen (Dienstag) Abend kommt der Strom wohl nicht zurück. Die Waldbrände haben ca.10 Strommasten zerstört. Tja und da saßen wir nun, meldeten uns nun doch bei Couchsurfing für 14€/Jahr an und schrieben weiter im Blog. Irgendwann hält es der Hintern aber nicht mehr im Auto aus.
Wir schlenderten dann nach einer kleinen, auf dem Parkplatz zubereiteten Suppe durch die Straßen. Aber bis auf wenige dunkle Läden, in den man bar zahlen konnte, war alles geschlossen. Man hatte sich den Feiertag in Jasper sicher anders vorgestellt. Kurz nach 17:30Uhr machte uns ein Tourist darauf aufmerksam, dass eine Tankstelle im Ort mit Notstromgenerator funktioniert. Dann nix wie hin, ab in die Schlange anstellen und erstaunlicherweise richtig günstig tanken! Die haben das null ausgenutzt, sondern der Sprit war mit 1,53CD viel günstiger als sonst rund 1,81 bis 1,91CD. Uns fehlte ja auch gar nicht viel. Vielleicht so für 50km. Aber bis zur nächsten Tankstelle war es eben ganz schön knapp und falls hier auf den Straßen doch mal was passiert oder man öfter stoppt , wollten wir das nicht riskieren. Schließlich laden wir auch immer alle Geräte im Auto. Erleichtert holten wir uns noch einen Abschieds-Cookie in der Bear Paw‘s Bakery, die ihren Betrieb auch ohne Strom notdürftig aufrecht erhielt, bestaunten einen leuchtenden Regenbogen und machten, dass wir hier wegkamen. Den Mount Edith lassen wir auf Grund des Chaos nun weg, er lag auf dem Weg des Icefield Parkways entlang.
Es war endlich so weit. Wir zeigten das erste Mal unseren Nationalpark-Ausweis vor. Der Jahrespass. Er hängt vorn am Spiegel und sie schauen nur drauf, halten den Daumen hoch und man passiert. Nochmal ein herzliches Danke an das Karlsruher Paar, falls ihr es lest, die uns im Vancouver Hostel ihre Nationalparkpässe verkauft haben. Wir hoffen mit dem amerikanischen klappt das dann auch so ;)
So haben wir gesamt 80€ bezahlt, die wir noch bar im Portemonnaie hatten. Also die Hälfte. Wir hätten zwar gern noch mehr gespart, aber hey, jeder Reisende achtet auf sein Reisebudget ;)
Aber wir hielten am wunderschönen Aussichtspunkt Goat and Glaciers (auch wenn da keine Ziegen zu sehen waren), fuhren zu den Sunwapta Falls und probierten uns dort in einem kurzen Kilometer im Trail Running. Wir joggten konzentriert über die Wurzeln und Steine und waren dann doch froh noch etwas Bewegung zu bekommen. Danach fuhren wir ein kleines Stück auf den einfachen, aber günstigen Honeymoon Lake Campground zurück, fanden einen sehr netten Platz, gaben erbetene Auskunft über den Stromausfall in Jasper und bezahlten auch die 16,75CD. Heute sind ja alle wieder heimgefahren, da morgen das neue Schuljahr beginnt. Wir konnten sogar mit Kreditkarte zahlen, d.h. man füllt einen Zettel mit seinen Daten aus. Supi. Und ein leichter Regen führte zu einem erneuten Regenbogen über dem See . Schön! Während ich begeistert aufschrie und freudig hinhopste, erwärmte Eric unser Essen und wusch das Camping-Dino-Geschirr und meinte ich soll mich beruhigen :D Wir joggten uns noch eine Mini-Runde warm und lernten uns gegenüber, ja die Welt ist klein, einen Dresdner und zwei Thüringer kennen.
Wir werden wohl mal besonders beruhigt ohne Straßenlärm und ohne Sorgen schlafen, denn wir haben bezahlt und hier sind überall nette Menschen :) Und dem nächsten Ziel kommen wir immer näher. Jasper ist auf Grund seiner Wildlife-Korridore echt beliebt und auch wir konnten ja viele Wildtiere sogar aus der Nähe bestaunen. Aber landschaftlich erhoffen wir uns von Banff mehr und da hat uns der Wells Gray Provincial Park viel besser gefallen.
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