Tag 94+95: Ankunft in Chile
- einjahrblau
- 24. Nov. 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Nov. 2022
Das war wieder eine Nacht. Wir sind erstmal den Flughafen abgelaufen um ein schönes Plätzchen zu finden, haben grade übrigens nur noch 6h Zeitunterschied zu Dtl. fanden dann ein ruhiges Gate, die 112. Hier würde vor Mittag nichts abfliegen, Scheiben umgaben die Sitzplätze und wir legten uns zwischen eine Bankreihe und Fenster in unsere Schlafsäcke. Ich glaube hier sah uns niemand und wir hatten unsere Ruhe. Es hingen zwar überall Schilder, dass man nicht auf dem Teppich sitzen darf, aber wir saßen ja nicht, sondern lagen ;)
Es war totenstill, die Läden klappten irgendwann alle ihre Gitter runter und bis auf einen weiteren Reisenden, den Eric schlafend an einem anderen Gate gesehen hatte, waren wir ganz allein. Wir wollten aber kein Hotel bezahlen ;) Ich las erstmal mein Buch zu Ende, Eric machte seine Spanischlektionen, wir putzten Zähne und dann schliefen wir 5h.
Früh liefen wir erstmal eine Stunde umher, schliefen dann an unserem Abflugterminal halb sitzend fast 2h und dann begann die Nahrungssuche. Flughäfen sind ja immer teuer, aber hungern konnten wir auch nicht, also teilten wir uns schlussendlich ein belegtes Baguette und ein Croissant. Unsere Kekse hatten wir schon aufgegessen und um nicht nochmal Ärger mit dem Zoll zu bekommen, nichts groß mitgenommen.
Wir waren sehr froh als die 16-stündige Zwischenlandung in Panama City endlich um war und das Boarding begann. Wir hätten ja gern was von Panama gesehen, aber da wir über Nacht hier waren, waren wir nicht scharf drauf die unbekannte Hauptstadt eines zentralamerikanischen Landes über Nacht zu erkunden. Man muss es ja nicht drauf anlegen…Wieder hatten wir im Flugzeug drei Plätze für uns allein, sodass wir die Beine hochnehmen konnten, denn wir flogen 6,5h weiter nach Santiago de Chile. Das war in Chile der größte Flughafen und deshalb billigste Flug.
Wir schienen an Bord die einzigen zu sein, die kein Spanisch sprachen und leuchteten wie Osram-Leuchten. Den Spruch hatte Eric rausgehauen :D Auch am Flughafen, trotz zahlreicher internationaler Flüge, konnte eigentlich niemand Englisch und gefühlt jeder schaute seine Serie oder was weiß ich ohne Kopfhörer. Hallo, wie nervig ist das denn bitte? Wo kommen wir denn dahin? Was wäre das für ein chaotischer Lärm, wenn das wirklich alle machen würden?! Abartig egoistisch. Vor allem wenn man, wie wir, hundemüde ist, nervt das noch mehr. Kostenfreies WLAN wie in San José gab es hier auch nicht, sodass wir für nötige Recherchen 2h für $6 kaufen mussten.
Nun gut. Im Flugzeug wurden wir alsbald besänftigt, denn wir bekamen ein kleines Tablett mit Essen: Pasta, Salat und eine süße Teigrolle. Immer diese niederen Bedürfnisse…das nervt auf Reisen mal so richtig!
Da wir erst kurz vor 21 Uhr ankamen und kein Weiterflugticket besaßen, d.h. unser Gepäck abholen mussten, hatten wir ein Hotel in Flughafennähe gebucht. Das kostete sogar etwas weniger als das laute Hostel in Toronto und bot einen Shuttleservice. Zwar zu sehr unflexiblen Zeiten, aber uns Recht, wir warten lieber als zusätzlich noch ein Taxi zu bezahlen.
Am Empfangstresen teilte uns der junge Azubi stolz mit, dass einer seiner Urahnen aus Deutschland käme und er gern mal so zwei Jahre die Sprache lernen möchte. Wir gaben ihm unsere Email-Adressen, für den Fall, dass er tatsächlich mal über den großen Teich fliegt und er war sehr gerührt.
Wir teilten uns eine kleine Pizza und freuten uns nach den Reisestrapazen sehr über das weiche Hotelbett. Die Sauna hatte leider zu (Corona?) und den Pool darf man mir mit Badekappe betreten, die man für $5 kaufen müsste. Ach nö. Das ist schon wieder fast ein Frühstück ;)
Es hatte da einige Schwierigkeiten mit dem Auto mieten in Chile gegeben. Eric hatte bei Sixt reserviert, aber dann ein noch günstigeres Angebot entdeckt. Er hatte bei Sixt per Mail angefragt, wie denn die Stornobedingungen wären und prompt kam die Stornierungsbestätigung, oups. Denn wir hatten ja noch gar kein neues. Nachts wurde also im Hotel eifrig gebucht und früh noch die Versicherung dazu, sonst hätten wir ohne Auto dagestanden. Aber so haben wir jetzt bessere Versicherungen und zahlen dennoch 600€ weniger. Stressig, aber hat sich finanziell gelohnt.
Man bekommt in Chile nicht so leicht eine Versicherung für die Offroad-Straßen. Und die gibt es hier überall.
Die Hotelbetten waren natürlich herrlich weich und wir verfielen in Tiefschlaf, wollten uns aber gar nicht erst an den Luxus gewöhnen.
Deshalb hatten wir auch kein teures Hotelfrühstück gebucht, sondern sprangen ganz knapp ins Shuttle, dass uns zurück zum Flughafen brachte und dort nahmen wir den blauen Bus bis in die Innenstadt für zusammen nicht mal 5€.
Das Feeling war hier um einiges angenehmer als in San José, auch wenn Santiago de Chile gefühlt riesig ist. Aber einige Ecken erinnerten mich an Berlin und Paris und die Sonne schien angenehm war, keine schweißtreibende Schwüle mehr. In der Metro hätten wir eine Metrokarte kaufen und dann aufladen müssen, da liefen wir lieber den Weg zur Autovermietung und bestaunten die vielen kleinen Straßenstände. In einem Bäcker kauften wir fix ein Croissant und dann ging’s weiter.
Wir kamen völlig fertig an, es war doch wärmer als gedacht, v.a. mit den Rucksäcken und dann der Schock. Das Auto, welches Eric reserviert hatte, war nicht verfügbar. Gott sei Dank sprach ein Mitarbeiter Englisch und bot uns, nachdem wir ihm „berichteten“, dass wir darin schlafen wollen und deshalb seine Alternative zu kurz ist, weitere Autos an. Das Problem war nur, dass wir ja eben diesmal keinen SUV nehmen wollten um Geld zu sparen und nicht ständig von vorn nach hinten und zurück zu räumen.
Es wurde ein Hin und Her, Daten wurden gegoogelt, wie viel Liter welches Auto schluckt, wie viel weniger oder mehr es kosten würde und wie viel Volumen sie hätten. Am Ende nahmen wir zähneknirschend das billigste, älteste mit Zweirradantrieb - ein hässlicher Chevrolet N400, der angeblich erst ein Jahr alt war, aber aussah als wäre er älter als wir :D
Hier auch drei erste Eindrücke. Die Chilenen:
machen einen sympathischen Eindruck
können (fast) alle NUR Spanisch
fahren auf den Straßen wie die Irren
Wir fuhren los und bereuten unseren Spartrieb. Denn es ratterte und rumpelte, er zog stark nach rechts und wir waren uns sicher: der schafft es keine 4 Wochen mit uns durch Chile. Nun gut. Was muss, das muss.
Wir suchten dann per Google Walmart und waren begeistert, dass es die hier gab, doch als wir nach drei Runden endlich da ankamen, stellten wir fest: es war nur das Ausbildungszentrum.
Wir fuhren weiter und im nächsten Ort war es nur das Lager, doch dann wurden wir mit Händen und Füßen die Straße vorgeschickt und es heißt hier Lider. Hat aber das selbe Zeichen. Der war allerdings zu klein und wir kauften nur wenig. Dann fuhren wir weiter Richtung Küste, Richtung Valparaíso am riesigen Weinfelder und der schönsten Villa auf Erden vorbei ;)
Auf dem Weg sahen wir eine Werbung für ein Outlet, bogen aber einmal zu spät ab und landeten vor einem tja Laden für alles? Es gab Sachen, Deko, Bastel- und Haushaltskram und netterweise durften wir zum Auto gehen um ein kleines Regal auszuprobieren. Es passte und durfte mit, außerdem noch ein Schneidebrettchen, eine Pfanne, ein Topf, Schwämme, eine Lichterkette, Klebehaken…Im Outlet war nichts dabei, aber die Weihnachtsdekoration ließ mich melancholisch werden :D
Dann sahen wir gegenüber einen größeren Supermarkt, kauften große Wasserkanister und erfuhren dort, dass es eine Straße weiter Simkarten fürs Handy gab. Die bekamen wir für umgerechnet $2 für zwei Wochen, jedoch limitiert mit 2GB. Dann ging es weiter nach Viña del Mar, denn per Google konnten wir nun herausfinden, dass es dort einen Baumarkt, einen Sodimac gab (man muss echt die Namen kennen…). Eh wir ankamen, hatte der nur noch 5min auf, aber immerhin bekamen wir Gasflaschen - zum Kochen unabdinglich.
Auf der Hafenstraße weiter nach Valparaíso hatten wir einen herrlichen Rest des verpassten Sonnenunterganges und zwischendurch herrliche Blicke von oben auf die beleuchtete Hafenstadt. Doch die I Overlander Plätze, die wir ansteuerten, waren dreimal mittlerweile Baustellen und bei I Overlander zeigte es zudem mehrere Warnungen aus den Jahren 2019 und 2020 von Überfällen und Messerdrohungen an.
Das Auto quälte sich laut schnaufend die steilen Straßen hoch (nicht gerade vielversprechend) und wir landeten in echt dunklen Gassen. Die ganze Zeit lang kam ich in den Genuss herrlicher Graffitis, also wirklich super Wandbilder zu beobachten, doch mein Handy lud gerade, deshalb gibt es leider keine Bilder. Die Stadt soll auch auf Grund der vielen bunten Häuser und Graffitis ins Unesco Welterbe aufgenommen werden. Vielleicht steuern wir es auf dem Rückweg nochmal tagsüber an, doch zu späterer Stunde sahen wir zu, dass wir zu einem kleineren Ort kamen, Nähe El Quisco , und schliefen dort an einem Strandparkplatz. Nachts halb zwei wurde ich mal unruhig, weil ich Männerstimmen neben unserem Auto hörte, aber es waren dann nur die Parkenden, die nach einer Party wegfuhren.
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